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Der Chinesische Staatscircus: Mei Li

Titel Der Chinesische Staatscircus: Mei Li

Regie Norbert Busè

Produktion Studio.TV.Film

Redaktion Tobias Cassau

Auftraggeber/Sender arte/ZDF

Ausstrahlungsdatum 27.12.2013 auf arte

Länge ca. 52 Minuten

Ansprechpartner Norbert Busè

Spektakulär geht es zu im Chinesischen Staatszirkus. Rund fünfzig Großmeister der legendären Anhui-Akrobatikgruppe präsentieren in ihrem 2 Stunden-Programm artistische Höchstleistungen, das traditionelle und auch das moderne China. Zirkus ohne Tiere, stattdessen viel Akrobatik, Tanz und Musik. Seit nun schon über einen halben Jahr teilt der 15jährige Zhu Wanyu ein kleines Hotelzimmer mit 2 anderen Artisten aus Anhui, einer Provinz im Südosten Chinas. Der muskulöse Handstand-Akrobat ist einer der vielen Künstler, die mit ihrer einzigartigen Bühnenshow Mei Li auf großer Europatournee sind. „Meine Verwandten habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, sagt er ungerührt in die Kamera, denn seine Familie ist der Chinesische Staatszirkus. Als Zhus Vater starb, brachte seine Mutter den Fünfjährigen nach Hefei, der Provinzhauptstadt Anhuis. Dort entdeckte man sein großes Talent und schon nach kurzer Ausbildung in der ältesten Artisten-Schule gehört der ausdauernde Junge heute zu den Stars in China.

„Die Akrobatik ist eine der Kunstformen, die am einfachsten zu verstehen sind, weil sie ohne Sprache auskommt. Sie kommuniziert mit dem Körper.“ erzählt uns Zhang Zhang begeistert, er ist der Manager der Gruppe und seit über 30 Jahren im Geschäft. Zhang hat alle Akrobatiknummern persönlich ausgesucht. „Meine Lieblingsnummer ist das Auf-dem-Kopf-Balancieren von Holzbänken. Das ist sehr traditionell, ich kenne es noch aus meiner Kindheit.“ Über sechzig Kilo balanciert Jin Zixin auf seinem Kopf, mit das schwerste Kunststück, das der Älteste in der Gruppe jemals gezeigt hat. Jin Zixin  stammt aus einer alten Akrobatenfamilie, schon sein Großvater, erzählt er uns stolz, war ein Akrobat. Während der Lernphase hatte er sich mehrmals durch die herunterfliegenden Holzbänke verletzt. Tränen flossen, bis die sehr schmerzhaften Übungen endlich vorbei waren.

Der Ursprung der darstellenden Künste in China liegt in der „Bai Xi“, übersetzt „Hundert Künste“. Die ersten Aufzeichnungen darüber sind etwa 2500 Jahre alt, Wandzeichnungen in alten Grabstätten berichten davon. „Bai Xi“ umfasste unter anderem Akrobatik und Theaterdramen. Die geheimnisvollen Figuren, die am Anfang der Show zu sehen sind, erinnern noch an diese alte Tradition. Im Unterschied zu europäischen Akrobaten leben chinesische Zirkusensembles von klein auf zusammen. Das ist wichtig, um gut als Gruppe zusammen zu arbeiten. Nur wenn man untereinander sehr vertraut ist, können extrem risikobehaftete Kunststücke ohne größere Verletzungen gezeigt werden. „Die Fahrradnummer ist am gefährlichsten“, meint Tao, die während der Vorführung an einem der beiden Fahrradlenker sitzt, über ihr sechzehn als Pyramide stehende Artisten. Nur im perfekten Zusammenspiel jedes Einzelnen gelingt diese Nummer. Tao Tiaoyu kam als Kind über das Fernsehen zum ersten Mal mit Akrobatik in Berührung. Zum traditionellen chinesischen Neujahrsfest Pinyin, Chinas wichtigste Feier, sah sie eine Akrobatikaufführung und war sofort begeistert. „Heute verbringe ich in den seltensten Fällen die Feiertage zu Hause, das ist sehr schade“. Taos Karriere wird in zwei bis drei Jahren zu Ende sein, denn sie möchte Kinder bekommen und dann ein normales Leben führen. Wenn das Heimweh allzu groß wird, kochen die 2 chinesische Köche, die mit der Truppe reisen ihr  Spezialitäten aus Anhui wie Silberfische und getrocknete Garnelen. Doch zuviel darf davon Tao nicht essen, denn die zwei Vorführungen am Tag erlauben keinen dicken Bauch…