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George Tabori - Der Spielmacher

Titel George Tabori – Der Spielmacher

Buch Thomas von Steinaecker

Regie Norbert Busè

Produktion Studio.TV.Film

Redaktion Wolfgang Horn

Auftraggeber/Sender ZDF/3sat

Drehzeitraum August 2013 bis Februar 2014

Ausstrahlungsdatum geplant 24.05.2014, 20:15 auf 3sat

Länge 45 Minuten

Ansprechpartner Norbert Busè

Ein kleines Apartment in New York, Mitte der 1950er Jahre: George Tabori, über 50 Jahre alt, ist an einem Scheideweg in seinem Leben angekommen, teilt sich die Wohnung mit der erfolgreichen schwedischen Schauspielerin Viveca Lindfors. Seine Karriere in Hollywood, die so erfolgversprechend 1948 angefangen hatte, scheint beendet. Für eine Weile hatte es so ausgesehen, als könne Tabori zu einem neuen Star unter den Drehbuchautoren werden: Als jüdischer Emigrant lernt er in Beverly Hills nicht nur das Who is who der europäischen Intellektuellen seiner Zeit kennen: von den Mann-Brüdern über Arnold Schönberg bis zu Theodor Adorno; er versteht sich auch bestens mit den großen Stars der Filmstudios: Mit der Schwedin Greta Garbo hat er eine Affäre, mit Charlie Chaplin ist er eng befreundet, Marilyn Monroe erklärt er Dostojewski. „Hollywood“, so Tabori später, „war wie ein großes Puff. Und ich war eine gute Hure.“ Aber die Glanzzeit Hollywoods wird überschattet von der Hetzjagd auf angebliche Kommunisten. Auch Tabori, der nie ein Blatt vor den Mund nimmt und gerne provoziert, wird verraten von seinem Freund, dem berühmten Regisseur Elia Kazan. McCarthy setzt Tabori auf die berüchtigte „Schwarze Liste“, was einem Berufsverbot in der Filmbranche gleichkommt. Ernüchtert zieht Tabori nach New York. 

Immerhin hat er seine große Liebe gefunden: die attraktive schwedische Schauspielerin Viveca Lindfors; beide verlassen ihre Partner füreinander. Während Lindfors weiter in Hollywood-Streifen mitspielt, sitzt Tabori in ihrer kleinen gemeinsamen Wohnung in Manhattan. Nie würde er sich träumen lassen, dass seine größten Triumphe noch auf ihn warten, noch dazu in Deutschland, in dem Land, in dem er vor einigen Jahrzehnten noch ins KZ geschickt worden wäre.

Tabori, am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen, entdeckt sein Glück als Hausmann. Liebevoll kümmert er sich um die drei Kinder Lindfors aus ihren drei verschiedenen Beziehungen. Nebenher reift in ihm ein Plan: Er will mit Viveca Lindfors Theater machen. So wie der von ihm verehrte Bert Brecht; bei der amerikanischen Erstaufführung von dessen „Galileo“ hatte er noch assistiert. Jetzt schwebt ihm, inspiriert von Brechts„epischem Theater“, ein „armes Theater“ vor, mit wenigen Requisiten, nur der Schauspieler steht im Mittelpunkt. Tabori besucht die Kurse der Schauspiellehrer-Legende Lee Strasberg, lernt dort u.a. Marlon Brando und Al Pacino kennen und nimmt sich einen jungen, pickeligen Assistenten: Dustin Hoffman. Zusammen mit Viveca Lindfors gründet er das Ensemble „The Strolling Players“ und spielt Off-Theater. Immer sind es die Schatten seiner Vergangenheit, die er jetzt mit den Mitteln des schwarzen Humors und der Groteske zu bannen versucht: Die Vernichtung der Juden im Dritten Reich, der er selbst durch seine Arbeit für den Nachrichtendienst der britischen Armee entkam, der aber sein Vater in Auschwitz zum Opfer fiel. Tabori in einem seiner typischen Statements darüber: „Der kürzeste deutsche Witz ist Auschwitz“. In diesen amerikanischen Jahren, in den späten 50ern und 60ern, entdeckt Tabori als Spätberufener seine eigentliche Bestimmung: Unbeirrt von Misserfolgen schreibt er weiter Stücke, tourt mit den „Strolling Players“ durch die USA und wird schließlich durch seine Brecht-Inszenierungen zunehmend bekannt.

Erst 1969 wagt er sich mit seinem Stück „Die Kannibalen“  nach Deutschland. Tabori ist vorsichtig geworden: Für alle Fälle ist bei der Premiere das Fluchtauto schon vor der Tür geparkt. Die Befürchtungen sind unbegründet: Von diesem Tag an beginnt Taboris unwahrscheinliche späte Karriere als Regisseur und Autor in jenem Land, das seine Familie verfolgte. Für die Schauspieler, die ihn verehren, weil er sie ernst nimmt, ist er jedoch kein Theater-Diktator alter Schule; für sie ist er das, was er auch in seinem eigenen ereignisreichen Leben stets war: der Spielmacher.