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PROJEKTE

Heinrich Böll - Ansichten eines Anarchisten

Titel Heinrich Böll – Ansichten eines Anarchisten

Buch und Regie Norbert Busè

Produzent Norbert Busè

Redaktion Bettina von Pfeil

Auftraggeber/Sender 3sat/ZDF

Drehzeitraum Januar/Juni 2017

Ausstrahlungsdatum Samstag, 2. 12. 2017, 20:15 Uhr

Länge 45 Minuten 

Ansprechpartner Norbert Busè

Heinrich Böll, ein Mann von gestern? Jedenfalls ein Schriftsteller Tycoon, der im Laufe seines Lebens schon mehrere Tode gestorben ist. Den des Antifaschisten, Antimilitaristen und Antibourgeois. In der Erinnerung scheint er alt, grau und verstaubt. Kannte den Schriftsteller Böll Anfang der siebziger Jahre laut einer Umfrage fast jeder Deutsche, ist er heute so gut wie vergessen. „Bei zukünftigen Demonstrationen könnte er vielleicht wieder eine Rolle spielen“, meint dagegen der Theater Regisseur Thomas Jonigk. „Seine Stimme bietet mir auch heute noch eine Orientierung“, so Jonigk weiter, seine Theaterfassung von Bölls „Ansichten eines Clowns“ feierte in Köln kürzlich große Erfolge. Haben die, die ihn bereits zu Grabe trugen, vielleicht irgendetwas Wichtiges übersehen? Die neue 3sat Dokumentation sucht deshalb zu Bölls hundertstem Geburtstag in seinen Kriegs- Tagebüchern nach Antworten, die Dokumente sind dieses Jahr erstmals zugänglich. Eine kleine Sensation. Heinrich Böll wollte sie zeitlebens unter Verschluss halten. Warum nur, denn nur ein paar Zeilen darin zu lesen reicht, dann ereignet sich etwas, was Generationen zuvor fasziniert haben muss, was man nicht groß erklären braucht: Bölls einzigartige Sprache. Und sofort wird der vor dreißig Jahren verstorbene Autor wieder aktuell: Wie übersteht man psychisch einen Krieg, wenn man ihn überlebt hat? In Anbetracht so vieler Kriege weltweit, eine ganz wichtige Frage. Eine, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Heinrich Böll sah die zukünftige Rolle, die Künstler in der deutschen Gesellschaft einnehmen sollten, ganz klar: Die Kunst muss, frei von jeder kommerziellen Verwertbarkeit, in einem grenzfreien Raum, eine Gesellschaft in Frage stellen dürfen. In seinen Widersprüchen, Ängsten und geglückten Formen kann Kunst zur Katharsis führen und freimachen, das eigene Leben besser zu beurteilen. „Die Kunst muss anarchisch sein.“ formulierte in den siebziger Jahren Böll, „Anarchie ist der Wunsch nach Herrschaftslosigkeit und auch der Wunsch, selber nicht zu herrschen.“ Vieles was uns heute selbstverständlich scheint, nahm mit ihm seinen Anfang.